Ich bin verheiratet und wir haben einen gemeinsamen fünfjährigen Sohn. Am Anfang unserer Beziehung hatte ich das Gefühl, ich hätte meine Seelengefährtin gefunden. Endlich hatte ich sie gefunden. Endlich konnte ich mich selbst sein. Ich konnte meine innersten Wünsche äussern und ich wurde genau dafür geliebt.
Es gab hin und wieder merkwürdige Erlebnisse. Das erste dieser Art war als wir uns zwei Wochen kannten. Ich war in ihrer Wohnung und stand in der Wohnzimmertüre, sie sass auf dem Sofa und warf mir einen Kuss zu. Ich zwinkerte als Antwort. Ich fand das witzig und flirtend. Sie fand es unangebracht und wurde böse. Sie hatte erwartet, dass ich einen Kuss zurückwerfe. Es ergab sich eine Diskussion daraus und ich merkte, dass ich besser nachgebe, wenn ich nicht den ganzen Abend verderben wollte. Also gab ich nach.
Nachdem unser Sohn zur Welt kam, kam es zur ersten Explosion. Ich kann mich nicht an die Ursache erinnern. Ich erinnere ich nur vage daran, dass wir eine Meinungsverschiedenheit hatten, die zu meinem Erstaunen rasch eskalierte, bis meine Frau mich aus vollem Hals anschrie und ein Glas voll Milch in meine Richtung schleuderte, so dass alles an die Wände und an die Decke spritzte. Ich dachte damals, dass sie mit der Geburt unseres Sohnes und mit der daraus entstandenen Lebensveränderung nicht klar kam und sie deshalb sehr gereizt sei.
Schleichend wurde unsere Beziehung schlechter. Es gab die guten Momente aber die schlechten wurden immer häufiger.
Noch im gleichen Jahr in dem unsere Sohn zur Welt kam, war sie das erste mal gewalttätig gegen mich. Ich sah dies wieder im Zusammenhang mit der Lebensveränderung die unser Kind mitbrachte.
Unsere Streitereien nahmen weiterhin langsam aber stetig zu.
Ich zog mich mehr und mehr zurück. Meine Frau war dauernd gereizt. Ich versuchte sie nicht zu verärgern und verhielt mich vorsichtig und zurückhaltend. Leider nützte mein vorsichtiges Verhalten rein gar nichts. Ich war verwirrt. Trotz meiner Bemühungen kam es trotzdem regelmässig zu Explosionen, wo sie Gegenstände zerstörte oder nach mir warf, mich anschrie und auch gewalttätig gegen mich war.
Ich hatte nach wie vor die Vorstellung, dass sie meine Seelengefährtin sei. Aber aus Gründen, die ich nicht verstand, klappte unser Zusammenleben einfach nicht. Ich teilte ihr mit, dass ich das nicht verstehen könne und dass ich doch nur einfach in Harmonie mit ihr zusammensein wolle. Es schien aber, dass sie mich einfach nicht hörte. Ich konnte mit meinem Anliegen einfach nicht zu ihr durchdringen. Sie behauptete ich würde mir einfach keine Mühe geben. Ich würde sie dauernd auf die Palme bringen. Ich müsse mich verändern.
Ich wollte, dass wir unsere Beziehung auf die Reihe kriegen. Ich bemühte mich und aus heiterem Himmel kam es wieder zu einer Explosion. Ich spürte, dass alles immer mehr in die falsche Richtung ging. Ich hatte oft den Gedanken, sie zu verlassen. Aber wir versöhnten uns jeweils wieder und ich hoffte erneut, dass wir das hinkriegen. Ich bin Vater und liebe meinen Sohn. Ich wollte ihm eine schöne Familie bieten. Ich gebe nicht so ohne weiteres auf.
Dann nach 6 Jahren Ehe geschah es.
Ich schaute mir ein YouTube Video an in dem ein Mann über seine Ex sprach. Er erzählte, dass er am Anfang dachte, sie sei seine Seelengefährtin und doch war sie manchmal sehr gemein zu ihm war. Und dann fand er irgendwann heraus, dass sie eine Prostituierte war. Er erkannte, dass sie ihn nach Strich und Faden manipulierte und betrog. Er bezeichnete sie als Psychopathin. Er meinte es nicht als Schimpfwort, sondern er meinte das wörtlich. Wörtlich im Sinne eines „Doctor Hannibal Lecter“ oder „Dexter“.
Mir standen die Nackenhaare zu Berge.
Ich hatte soeben die Wahrheit erkannt. Ich glaube, wenn einem die Wahrheit begegnet, dann erkennt man das. Mir war nicht klar, was genau mit meiner Frau los war. Aber ich wusste jetzt, warum unsere Beziehung nicht funktionierte und ich wusste, ich muss da weg. Mir war ebenfalls bewusst, dass wenn ich hier heil rauskommen will, dann darf ich meine Erkenntnis niemals mit dieser Frau teilen.
Ich fühlte mich als wäre ich aus einem fürchterlichen Albtraum erwacht, aber der Albtraum lief weiter.